Predictive Homöopathie
Was ist das?

Predictive Homoeopathy (PH) ist in eine Weiterentwicklung der Klassischen Homöopathie, ohne jedoch die Basis aus dem Auge zu verlieren oder gar zu verleugnen.

PH basiert auf folgenden Grundsäulen:

·  Miasmen- und Unterdrückungsmodell

·  Syphilitischer Einstiegspunkt

·  Konstitutionelle Verschreibung

  → Extro-Introvertiert, Intellekt, Moral, Emotionen,
       Empfindlichkeiten...

  → Die Grundbedürfnisse des Patienten

  → Deutung der Erkrankung

·  Allgemeine Parameter: Physiognomie, Temperatur, Durst,
   Seitenbezüge, Toleranzen und Empfindlichkeiten

·  Arzneiverständnis mit der Trimiasmatischen Materia Medica

 

Das Miasmen- und Unterdrückungsmodell

Wie Hahnemann, bezieht sich Predictive Homoeopathy, bzw. dessen Gründer Dr. Prafull Vijayakar klar auf das System der Miasmen, wobei es hier einige wesentliche Erweiterungen gibt. Das von ihm entwickelte dynamische Miasmenmodell ist in der täglichen Praxis in Bezug auf die Beurteilung und Einteilung der Symptome von unschätzbarem Wert.

Wie andere „Miasmatiker“ bezieht er sich in seinem Miasmenverständnis auf die unterschiedlichen zellulären Abwehrreaktionen, dem Verteidigungsmechanismus der Zelle. Die Entzündung (psorisch), also die Wucherung (sykotisch) und die Zerstörung (syphilitisch) sind vielen Homöopathen bekannt. Eine Erweiterung ist die stringente Umsetzung in der miasmatischen Zuordnung und Hierarchisierung auch der Gemüts-, Allgemein-, und Lokalsymptome und deren Zuordnung in die entsprechenden Rubriken. Hinzu kommt die  Einteilung in Schichten, die er aus seinem Verständnis von Embryologie mit der Entwicklung der Keimblätter, Genetik, Physiologie und Biochemie entwickelt hat. Seine Behandlung basiert aber nicht nur auf diesen, aus 7 Schichten und 3 Miasmen bestehenden Einteilung, sondern zusätzlich auf dem erweiterten Verständnis der Heringschen Regel. Dadurch wird besonders die Beurteilung des Fallverlaufs deutlich klarer und auch vorhersehbarer.

 

Syphilitischer Einstiegspunkt

Ein wesentlicher Aspekt von PH ist das Auffinden des syphilitischen Einstiegspunktes. Das sind i.R. §153 Symptome. Diese können sowohl im Geistes- und Gemütsbereich, bei den Allgemein- als auch bei Lokalsymptomen gefunden werden. Syphilitische Einstiegspunkte auf der Geistes- und Gemütsebene sind z.B. das Verlangen zu töten oder Suizidalität. Syphilitische Allgemeinsymptome sind Abmagerung mit Heißhunger, Analgesie oder abwechselnde alternierende Zustände. Syphilitische Einstiegspunkte in Bezug auf den Körper sind z.B. „Als-ob Symptome“ (z.B. Schmerz wie abgeschabt).

Die Verschreibung bei sich langsam entwickelnden, eher sykotischen Fällen orientiert sich schwerpunktmäßig an Kent, dazu kommen die Betonung des genetischen Similimums (s.u.) und die Einbeziehung des syphilitischen Einstiegspunktes. Bei terminalen Fällen hingegen beruht die Verschreibungspraxis zum Teil auf der Boger-Methodik.

Der syphilitische Einstiegspunkt ist v.a. wichtig, weil es bei chronischen Krankheiten (syko-syph.) irreführend ist, sich ausschließlich auf die Disposition und die Veranlagung  zu verlassen, da diese oft sykotisch sind (Vijaykar, 2015). Durch eine Verschreibung, die ausschließlich auf sykotische Symptome abzielt, kann es passieren, dass der Patient tiefer in seine Pathologie „hineinrutscht“. Die Veranlagung dient aber in gewisser Weise als „Unterbau“ in der Fallanalyse.

 

 

Veranlagung/Konstitution

In die konstitutionelle Verschreibung bezieht Vijayakar v.a. folgende „Merkmale“ ein:

·      Introvertiert- Extrovertiert

·      Wille und Durchsetzungsfähigkeit

·      strebsam-nichtstrebsam

·      Geschwindigkeit des Intellekts

·      Art der Reaktion auf einen „Stressor“

·      Eigentümlichkeiten im Verhalten

·      Bindung und Beziehung

·      eigentümliches Benehmen, Moral, Emotionen

·      Grundbedürfnisse nach Liebe, Achtung und Sicherheit

·      Bedeutung der Erkrankung

 

Allgemeine Parameter und Empfindlichkeiten

a.     warm-kalt/ durstig-durstlos/ rechts-links/

b.     Geschwindigkeit der Pathologie

c.      „physikal make up“: z.B. Haare, Gesichtszüge, Gestalt

d.     Intoleranzen und Empfindlichkeiten gegen: Wind, Mond, Sonne, Schmerzen, Licht, Gerüche, Schlaf etc.

 

Trimiasmatische Materia Medica

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die  Trimiasmatische Einteilung eines Arzneimittels, die an ein einigen Punkten an Masi (1993) und Ortega (1986) erinnert. Sie wurde von  Vijayakar weiter präzisiert und ausgearbeitet.

Wenn beispielsweise klar ist, dass Ignatia im syph. Miasma eher hysterisch und in der Psora ehrgeizig, schlank, nachsichtig und gehorsam ist, erweitert dieses Verständnis das Wissen um die Bandbreite eines einzigen Arzneimittels. Für den Homöopathen ist das eine absolute Bereicherung im Verständnis, wie ein Arzneimittel „zu sein“ hat. Es zeigt auf, warum Arzneimittelbilder oft so unterschiedliche, teils sich widersprechende Aspekte haben. Bei Phosphor wird dies noch deutlicher, wenn man weiß, dass es in der Psora mitfühlend und liebevoll und im syphilitischen Zustand von der Familie entfremdet sein kann.

Samuel Hahnemann
Samuel Hahnemann
Prafull Vijayakar
Prafull Vijayakar

 

Den Einführungsartikel zum Kongress der Homöopathie Konkret von Oliver Müller finden Sie hier als Download.